Das CLP-Verfahren, die bessere Option

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Eine Trennung oder Scheidung ist für viele Menschen eine belastende Situation. Neben emotionalen Herausforderungen kommen oft rechtliche Fragen hinzu: Wer kümmert sich um die Kinder? Wie wird das Vermögen aufgeteilt? Und wer bleibt in der gemeinsamen Wohnung? Für diese Fragen gibt es verschiedene Wege zur Lösung. Einer davon ist das sogenannte clp-Verfahren.

 

1. Was ist das clp-Verfahren?

clp steht für „Collaborative Law and Practice“, auf Deutsch oft als „kooperative Praxis“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein aussergerichtliches Verfahren. Das bedeutet: Die Beteiligten versuchen, ihre Konflikte gemeinsam zu lösen, anstatt diese vor Gericht auszutragen.

Im clp-Verfahren arbeiten beide Parteien mit speziell ausgebildeten Anwältinnen oder Anwälten zusammen. Ziel ist es, eine faire und nachhaltige Lösung zu finden, die für beide Seiten akzeptabel ist. Bei Bedarf können zusätzlich Fachpersonen wie Finanz- und Steuerexperten oder Kinderpsychologen einbezogen werden.

Ein wichtiger Grundsatz ist: Alle Beteiligten verpflichten sich, offen und ehrlich zu kommunizieren und auf eine gerichtliche Auseinandersetzung zu verzichten. Die Lösung wird an gemeinsamen, strukturierten und durch die Anwälte moderierten Gesprächen erarbeitet, anstatt mit einem Aktenprozess beim Gericht.

 

2.    Vorteile gegenüber dem klassischen Gerichtsverfahren

Das clp-Verfahren bietet mehrere Vorteile im Vergleich zum klassischen, strittigen Gerichtsverfahren:

· Weniger Konflikte: Statt gegeneinander zu kämpfen, arbeiten die Parteien zusammen. Das reduziert Spannungen und Eskalationen. Die auch als Mediatoren ausgebildeten Anwälte unterstützen die Parteien streitschlichtend und lösungsorientiert.

· Schnellere Lösungen: Gerichtsverfahren können lange dauern. clp-Verfahren sind oft deutlich schneller.

· Mehr Kontrolle: Die Beteiligten entscheiden selbst über die Lösungen und die zu involvierenden Fachpersonen, statt dass ein Gericht entscheidet.

· Individuelle Ergebnisse: Lösungen können besser auf die persönliche Situation zugeschnitten werden.

· Schonender für Kinder: Kinder leiden weniger unter einer Trennung, wenn die Eltern kooperativ bleiben.

· Kosten: Sowohl im Gerichtsverfahren als auch im clp-Verfahren bezahlen beide Parteien einen Anwalt. Die konstruktive Arbeitsweise im clp-Verfahren erlaubt es aber, die Kosten schlank zu halten. Lange und teure Klageschriften entfallen ganz.

 

3.    Vorteile gegenüber der Mediation

· Kräfteungleichgewicht: Wenn eine Partei deutlich stärker ist (z. B. finanziell, sprachlich oder emotional), kann dies zu einer Herausforderung führen. Während in solchen Fällen eine Mediation an ihre Grenzen kommen kann, bietet das clp-Verfahren den Vorteil, dass auch die wirtschaftlich, emotional oder sprachlich schwächere Partei durch ihren Anwalt die nötige Unterstützung erhält, um sich bei den Gesprächen und Diskussionen gewinnbringend einzubringen.

 · Rechtliche Beratung: Ist die Rechtslage komplex, braucht es häufig eine anwaltliche Beratung, um eine Vereinbarung zu prüfen. Für Anwältinnen und Anwälte ist es jedoch deutlich schwieriger und damit kostenintensiver, eine bereits ausgearbeitete Lösung nachträglich zu korrigieren, als eine von Anfang an gerichtstaugliche Vereinbarung mitzugestalten.

 

4. Risiken und Herausforderungen des clp-Verfahrens

Trotz der Vorteile gibt es auch Risiken und Grenzen:

· Abhängigkeit von Kooperation: Das Verfahren funktioniert nur, wenn beide Seiten mitarbeiten.

· Abbruchrisiko: Scheitert das Verfahren, müssen neue Anwälte für ein Gerichtsverfahren engagiert werden. Das verursacht zusätzliche Kosten und einen Zeitverlust.

· Keine Entscheidungsmacht: Es gibt keine Instanz, die eine Lösung erzwingen kann, wenn man sich nicht einigt.

 

5.    Warum clp trotz Risiken die bessere Wahl ist

Trotz dieser Risiken gilt das clp-Verfahren in den meisten Fällen als bessere Alternative zum strittigen Gerichtsverfahren.

Die meisten Parteien wollen eine schnelle Lösung für ein akutes Problem und dieser Wunsch wird von den Gerichten selten erfüllt. Da Gerichtsverfahren oft mehrere Jahre dauern und darüber hinaus Entscheidungen ans Obergericht und ans Bundesgericht weitergezogen werden können, vergeht eine derart lange Zeit, dass der endgültige Entscheid, ob positiv oder negativ, erst so spät erfolgt, dass er auf die gelebte Realität keinen Einfluss mehr hat.[1]

Der wichtigste Grund jedoch ist die langfristige Perspektive. Gerade wenn Kinder betroffen sind, bleiben die Eltern auch nach der Trennung miteinander verbunden. Ein kooperativer Ansatz hilft dabei, eine funktionierende Beziehung als Eltern zu erhalten.

Ausserdem fördert das Verfahren nachhaltige Ergebnisse. Lösungen, die gemeinsam erarbeitet wurden, werden in der Praxis häufiger eingehalten als gerichtlich verordnete Entscheidungen. Zudem entsteht aufgrund der bedürfnisorientierten Interessenklärung ein gegenseitiges Verständnis, sodass Veränderungen besser umgesetzt werden können.

Auch die emotionale Belastung ist oft geringer. Ein Gerichtsverfahren kann den Konflikt verschärfen und die Anspannung über Jahre anhalten, während clp auf Deeskalation setzt. Bei clp liegt der Fokus auf der Gestaltung der Zukunft und nicht in der Aufarbeitung der Vergangenheit.

Wer zudem glaubt, mit einem Gerichtsprozess einen für sich günstigen Entscheid zu erwirken, verkennt die Unvorhersehbarkeit der Kosten und der Ergebnisse in familienrechtlichen Verfahren. Die Richter sind gehalten den Einzelfall zu betrachten und für jeden Einzelfall eine angemessene Lösung zu finden. Das bedeutet, viele Aspekte werden vom jeweiligen Richter / von der jeweiligen Richterin in seinem / ihrem Ermessen. Somit hat die Person des Richters / der Richterin einen nicht unerheblichen und unvorhersehbaren Einfluss auf die Entscheidung des Gerichts und basiert auf Momentaufnahmen. Vor Gericht kennt man nur den Weg, nicht das Ergebnis.

 

6.    Fazit

Das clp-Verfahren ist ein moderner Ansatz zur Konfliktlösung bei Trennung und Scheidung. Es setzt auf Zusammenarbeit statt Konfrontation. Die Flexibilität und Individualität des Verfahrens bietet viele Vorteile: schnellere, individuellere und oft nachhaltigere Lösungen.

Wer bereit ist, offen zu kommunizieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, findet im clp-Verfahren ein gutes Vorgehen.

Mit dem clp-Verfahren können langjährige Prozesse, Eskalationen mit welchen nachhaltig die Beziehung zu den Kindern beschädigt wird und hohe Anwalts- und Gerichtskosten verhindert werden.

Das clp-Verfahren sollte deshalb nicht als Alternative zum Gerichtsverfahren, sondern vielmehr als eine Optimierung des Verfahrens betrachtet werden.

 

7.         Weitergehende Beratung

Sollten Sie Fragen zum Einzelfall haben oder eine Beratung benötigen, so stehen Ihnen die Experten von Legal Partners Zurich gerne zur Verfügung.


[1] Tagesanzeiger, 9. April 2026, von Bettina Weber «Ihr Scheidungsverfahren dauert schon 13 Jahre»